Bozen – wo sich Italien mit Österreich vermischt

St. Georgen über Bozen, Südtirol, Italien

Alpen, italienisches Flair, K+K-Architektur, italienischer Monumentalismus, La Dolce Vita, Wein, Pasta, Speck, Äpfel, Sonne – mit diesen Attributen könnte man die Landeshauptstadt von Südtirol beschreiben. Sie ist nämlich vor allem eines: ein Mix zwischen italienisch und deutsch, zwischen Italien und Österreich.

Vom Kaiser zum Duce

Das Südtirol wurde nach Ende des ersten Weltkrieges Italien zugeschlagen. Die Bevölkerung blieb deutschsprachig, bis Mussolini in den Dreissigerjahren eine Italienisierung startete, neue Quartiere und Gebäude wie etwa den Bahnhof im Monumentalstil errichten liess und eine italienischstämmige Bevölkerung ansiedelte. Das führte dazu, dass in Bozen etwa zwei Drittel der Bevölkerung italienischstämmig sind, währen das Verhältnis im übrigen Südtirol genau umgekehrt liegt: zwei Drittel der Bevölkerung bezeichnen sich als deutschsprachig. Und diese Mischung tut Bozen oder Bolzano gut, sehr gut.

Die Gassen und Plätze der mittelalterlichen Altstadt sind von stattlichen Bürgerhäusern aus Gotik, Renaissance und Barock gesäumt. Die historische Altstadt ist nahezu intakt, nur wenige neuzeitliche Gebäude stören das Gesamtbild. Mittelpunkt ist der Waltherplatz, benannt nach dem vermeintlich aus Bozen stammenden Walther von der Heide. Vom Platz weg führen die engen Gassen mit Laubengängen, Erkern und Lichthöfen.

La Dolce Vita

In dieses eher düstere mittelalterliche Gefüge ist aber das Dolce Vita eingezogen. Der Waltherplatz vibriert an Sommerabenden vom Stimmengewirr der Besucher der vielen Cafés und Restaurants mit Open-Air-Bestuhlung. Die Restaurants auf dem Platz und den umliegenden Gassen übertreffen sich mit hervorragender Küche, entstanden aus einem Mix zwischen Tiroler Spezialitäten und Cucina Italiana. Um die Via del Francescani ist in einem mehrere hundert Meter langenr Komplex von Gassen und Durchgängen ein Gemüse- und Spezialitätenmarkt entstanden, der seine Besucher zum Einkauf von Köstlichkeiten animiert und dann in viele kleine Apéritv-Bars zum Ausruhen und einem Glas Wein lockt (machen Sie den Rundgang mit Google-Streetview). Und das die ganze Woche, Montag bis Samstag. Der Markt ist beileibe nicht nur touristisch, viel mehr gehen auch die Bozner gerne hier abends ein Gläschen trinken und treffen sich zum Schwatz.

Ötzi und andere Museen

Neben dem Dolce Vita gibt’s auch etliche Highlights aus der Historie, die einen Besuch lohnen: Der Dom am Waltherplatz, dessen romanische Ursprünge auf das 12. Jahrhundert zurückgehen; die Johanneskapelle mit den Fresken, die bedeutendstes Zeugnis der oberitalienischen Wandmalerei sind; der Merkantilpalast, heute ein Museum; die gotische Franziskanerkirche, 1291 (!) nach einem Stadtbrand neu erbaut und natürlich das Archäologiemuseum, besser bekannt als Ötzi-Museum, in dem Ötzi mit keimfreiem Wasser besprüht und bei 0 Grad aufbewahrt in seiner deshalb glänzenden Erscheinung besichtigt werden kann. Das Letztere ist übrigens unbedingt einen Besuch wert, die Betreiber habe ein wunderbar informatives modernes Museum mit abwechselnden Sonderausstellungen geschaffen, nur sollte man sich Eintrittstickets in der Hochsaison besser vorher online organisieren.

Sommerfrische

Auch ausserhalb Bozens gibt’s so allerlei zu besichtigen, etwa Schloss Runkelstein mit dem beeindruckenden Freskenzyklus. Ganz einfach ist der Besuch von Oberbozen mit den Villen der Gründerzeit, die von den reichen Boznern in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Sommerfische erstellt wurden, da eine Seilbahn direkt aus Bozen die Passagiere in nur 12 Minuten auf ein Hochplateau mit herrlicher Aussicht und vielen Spazierwegen führt.

Fortsetzung: Golf, Essen, Hotel

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