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Golf wird «grüner»

Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind die beiden wichtigsten Trends in unserer Gesellschaft. Für 88 Prozent der Golferinnen und Golfer ist das Thema Nachhaltigkeit «wichtig» oder sogar «sehr wichtig» – dies ist eine der Erkenntnisse aus der Diplomarbeit von Mirjam Fassold. Diese zeigt auch die Wichtigkeit eines «grünen Images» für Golfanlagen auf.

«Verschafft ein ‚grünes’ Image einer Golfanlage Marktvorteile?» – diese Frage wollte Mirjam Fassold mit ihrer Diplomarbeit im Rahmen der Weiterbildung zum Swiss PGA Golf Director beantworten. Die Liechtensteiner Kommunikationsfachfrau hat dazu 1117 Golferinnen und Golfer aus der Schweiz und Liechtenstein befragt. Angesichts der Teilnehmerzahl darf die Umfrage als repräsentativ bezeichnet werden.

Nachhaltigkeit

Das Resultat ist eindeutig: Ein «grünes Image» verschafft einer Golfanlage klare Marktvorteile. Nicht nur, weil nachhaltiges Wirtschaften (und nachhaltige Pflege einer Golfanlage) kostengünstiger ist, auch weil ein «grünes» Image bei den Golferinnen und Golfern Gefallen findet. Denn 88 Prozent der für die Diplomarbeit befragten Personen gaben an, dass Nachhaltigkeit in ihrem Leben eine «wichtige» oder gar «sehr wichtige» Rolle spiele, nur fünf Personen (0.5 Prozent) erklärten, nachhaltiges Verhalten sei für sie «gar nicht wichtig». Kleiner Wermutstropfen: Nur gut ein Fünftel (22 Prozent) kennt den eigenen ökologischen Fussabdruck – und damit die Auswirkungen des eigenen Verhaltens auf Umwelt, Natur und Klima.

Nachhaltigkeit – ein Thema unserer Zeit

Die hohe Nachhaltigkeits-Affinität der Golferinnen und Golfer überrascht nicht, gehört ökologische Nachhaltigkeit im Gesamten doch zu den brennendsten Themen unserer Zeit. Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden Gesellschaft und Wirtschaft in den kommenden Jahren prägen. Oftmals gehen sie bereits jetzt schon Hand in Hand. Die heutige Jugend ist mit digitalen Gadgets (Smartphone, Tablet etc.) aufgewachsen; Klimadebatte und Schülerstreiks unterstreichen das Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein der jungen Generation. Sie ist es, die in Zukunft die Entscheidungen trifft – in Politik und Wirtschaft, im Arbeitsumfeld wie im Privaten.

Digitalisierung und Nachhaltigkeits-Anliegen werden künftig alle Bereiche unseres Lebens erfassen und auch vor dem Golfsport sowie den Stätten, an denen dieser Sport ausgeübt wird, nicht Halt machen. Golf-Apps fürs Smartphone stehen längst bereit. Anbieter sind nicht nur die grossen Player im Golfbusiness (Ausrüster, Tours, Verbände), auch immer mehr Golfclubs und Golfplatzbetreiber setzen auf Apps. Die Branche hat das Thema Nachhaltigkeit längst auf dem Radar. Bei der grossen Mehrheit der Golfer steht dieses zwar noch etwas im Schatten naheliegenderer Themen – die neuen Golfregeln und Slow-Play betreffen die Golfsportler unmittelbarer auf jeder Runde –, doch das Nachhaltigkeits-Bewusstsein in der Golfszene wächst. Sowohl auf Konsumentenseite (Golfspieler) wie auch auf Anbieterseite (Golfplatzbetreiber, Clubs).

Schweizer Golfpionier in Sachen Nachhaltigkeit

Die in Schottland beheimatete Non-profit-Organisation GEO Foundation ist global führend im Bereich der Nachhaltigkeits-Zertifizierung von Golfanlagen. Sie hat ein glaubwürdiges und praktisches Nachhaltigkeits-System entwickelt, das hilft über den Golfsport positive Auswirkungen auf Mensch und Natur zu erzielen. Das GEO-Zertifizierungssystem ist zweistufig; in der Schweiz haben sich bislang vier Golfanlagen dem GEO-certified®-Prozess unterzogen, 16 weitere haben den ersten Level (OnCourse®-Registrierung) erreicht.

Schweizer Pionier in Sachen nachhaltiger Golfanlagen ist der Golfpark Zürichsee (früher: Golfpark Nuolen). Dieser liess sich bereits 2009 GEO-zertifizieren – und gehörte damit zu den ersten zehn weltweit, die das Label GEO certified® tragen durften. Mittlerweils sind in der Schweiz auch der GC Klosters, der GC Domaine Impérial und der GC de Lausanne GEO certified.

Nachhaltigkeit darf etwas kosten

Angesichts der hohen Präsenz von Nachhaltigkeits-Themen in der heutigen Gesellschaft sowie der Bereitschaft der Schweizer (und Liechtensteiner) Bevölkerung, für Bio-Lebensmittel, Öko-Strom und Elektroautos einen Mehrpreis zu bezahlen, stellte sich für die Autorin der Diplomarbeit die Frage, ob Nachhaltigkeit einer Golfanlage nicht ebenfalls Marktvorteile bringen könnte. Dies umso mehr, als Golfanlagen im Vergleich zur Landwirtschaft eine massiv höhere Biodiversität aufweisen, somit also sehr viel «grüner» sind.

Mirjam Fassolds Umfrage brachte nicht nur die Nachhaltigkeits-Affinität der Schweizer und Liechtensteiner Golfer ans Tageslicht, sondern überraschte auch mit der Erkenntnis, dass viele Umfrageteilnehmer bereit wären, für ein ökologisch nachhaltiges Golfvergnügen tiefer in die Tasche zu greifen.

Golfer, die Nachhaltigkeit in ihrem Leben generell als «sehr wichtig» bezeichnen, legen auch bei Golfanlagen Wert auf Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit: Knapp die Hälfte achtet als Greenfee-Spieler auf die Nachhaltigkeit einer Anlage. Geht es um den Beitritt zu einem Club (Mitgliedschaft), achtet aber nur mehr ein Fünftel auf das Kriterium «Nachhaltigkeit». Hoch ist in dieser Gruppe dagegen die Bereitschaft, für das Spiel auf einer nachhaltigen Golfanlage tiefer in die Tasche zu greifen: 59 Prozent würden ein erhöhtes Greenfee und/oder einen höheren Jahresbeitrag bezahlen.

Nicht ganz so hoch sind die Prozentzahlen bei jenen Umfrageteilnehmern, die Nachhaltigkeit im eigenen Leben als «wichtig» bezeichnen; sie repräsentieren allerdings knapp zwei Drittel aller Golferinnen und Golfer. 33.9 Prozent aus dieser Gruppe legen als Greenfee-Spieler Wert auf die Nachhaltigkeit einer Golfanlage, bei der Wahl eines Heimclubs achtet dagegen nur mehr jeder Zehnte auf Nachhaltigkeit. Mehr als die Hälfte wäre allerdings bereit, für das Spiel auf einer nachhaltigen Golfanlage tiefer in die Tasche zu greifen – über die Hälfte dieser «Zahlungswilligen» würde einen Öko-Aufschlag von bis zu zehn Prozent akzeptieren, fast jeder Dritte immerhin bis zu fünf Prozent.

Nachhaltig wirtschaften, konsequent kommunizieren

Aufholbedarf besteht beim Wissen um die Nachhaltigkeit von (Schweizer) Golfanlagen im Generellen, wie auch um die Nachhaltigkeit des Wirtschaftens des jeweiligen Heimclubs. Gefragt nach dem Kenntnisstand von Nachhaltigkeits-Bestrebungen und Umweltschutz-Massnahmen in ihrem Heimclub, antworteten in Fassolds Umfrage etwas mehr als ein Fünftel mit «gut» oder «sehr gut», knapp ein Drittel der Befragten fühlte sich «rudimentär» informiert. Die grösste Gruppe (über zwei Fünftel) bildeten jene, die «gar nicht» informiert sind.

Am Interesse der Golfer kann dieser schlechte Informationsstand kaum liegen. Über 70 Prozent der Umfrageteilnehmer erklärten, sie wünschten sich mehr Informationen zum betreffenden Thema. In der Gruppe jener, die bislang «gar nicht» oder nur «rudimentär» informiert sind, war der Anteil an Wissensdurstigen noch höher – in diesen beiden Gruppen wünschten sich jeweils knapp 80 Prozent der Antwortenden mehr Informationen zu den Nachhaltigkeits-Bestrebungen und Massnahmen rund um ökolgisches Wirtschaften im Heimclub. Selbst bei über der Hälfte der «gut Informierten» besteht der Wunsch nach vermehrter Information.

Wenn Sport, Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen sollen, braucht es Experten. Nicht nur bei Planung, Realisierung und Betrieb einer Golfanlage, sondern auch in der Kommunikation. In der Umfrage konnten die Teilnehmer angeben, von wem sie (mehr) Informationen zu diesen Themen bekommen möchten. Die grosse Mehrheit (über 70 Prozent) der Antwortenden ist der Meinung, dass Golfclubs und Platzbetreiber über die Nachhaltigkeit ihrer Golfanlagen informieren müssten. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht auch die (nationalen) Golfverbände in der Pflicht; genauso die Umweltschutzverbände – gut die Hälfte der Teilnehmer erwarten von WWF und Co. mehr Informationen zum Thema.

Im Kommunikationsbereich schlummert also grosses, bislang nur wenig genutztes Potenzial. Hier liegt auch die Chance, das Image des Golfsports in der Gesamtbevölkerung zu verändern und zu korrigieren – weg vom «ressourcenintensiven Hobby für Reiche», hin zu einem «grünen und nachhaltigen Sport».

«Marktvorteile für Golfanlagen mit ‚grünem’ Image» – Diplomarbeit von Mirjam Fassold, Swiss PGA Golf Director;
Link zur vollständigen Diplomarbeit
Link zur Website der Autorin

Text: Eva-Maria Wolf
Bilder:
Zvg
Beitragsbild:
 Der Golfpark Zürichsee in Nuolen war die weltweit zweite Golfanlage, die sich GEO certified nennen durften.